Weitere Informationen zu Katarakt-Chirurgie (Chirurgie des Grauen Stars)
Grauer Star: Trübung der Linse des Auges entweder altersbedingt (Altersstar) oder durch Stoffwechselstörungen (z. B. Zuckerstar), Verletzungen, Strahleneinwirkungen oder als Folge anderer Erkrankungen. Der graue Star kann auch angeboren oder durch Virusinfektionen in der frühen Schwangerschaft (z. B. Rötelnembryopathie) verursacht sein. In einem langsam fortschreitenden Prozess kommt es zu Verschwommensehen durch Abnahme des Kontrast- und Scharfsehens und erhöhter Lichtempfindlichkeit; im Spätstadium können lediglich noch Hell und Dunkel unterschieden werden. Die Behandlung erfolgt durch operative Entfernung der getrübten Linse (Staroperation) und Ersatz der Linse entweder durch eine starke Brille (Starbrille), entsprechende Kontaktlinsen oder eine Linsenimplantation.
Zur Behandlung des grauen Stars muss die getrübte Linsenmasse entfernt werden. Diese Entfernung der getrübten Linse hat eine lange Geschichte. Bereits in der Antike und auch heute noch in der Dritten Welt wurde und wird die getrübte Linse mit Hilfe einer Nadel einfach aus der Sehachse nach unten und hinten in den Glaskörper gedrückt, so dass das Licht wieder ungehindert auf die Netzhaut einfallen kann. Dieses Verfahren hatte eine große Anzahl von Komplikationen, die nicht selten zum Verlust des Auges führten.
In den letzten 150 Jahren wurde dieses Verfahren verfeinert, und die getrübte Linse wurde nicht mehr im Auge belassen, sondern die gesamte Linse aus dem Auge entfernt. Ähnlich einem Fotoapparat ohne Objektiv wurden dadurch die von der Netzhaut empfangenen Bilder unscharf, und es musste zusätzlich eine starke Brille, die so genannte Starbrille, aufgesetzt werden, um wieder scharf zu sehen. Bei einem normalen Auge muss ein Starglas etwa 13 Dioptrien stark sein. Diese schweren Brillen engen das Gesichtsfeld ein und stellen eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Mit der Einführung von Kontaktlinsen wurde der linsenlose Zustand sehr viel erträglicher, jedoch gerade ältere Menschen kamen mit dem notwendigen häufigen Wechsel von Kontaktlinsen nicht gut zurecht. Daher stellte sich die Frage, ob nicht ein Linsenersatz im Auge, aus Glas oder Kunststoff, diese Funktion übernehmen könnte.
Ausgehend von den Beobachtungen bei englischen Bomberpiloten, bei denen Plexiglassplitter für viele Jahre ohne Entzündungszeichen im Auge verblieben, wurden Anfang der 1950er Jahre Plexiglaslinsen gefertigt, die im Auge vor der Iris befestigt wurden. Dieser erste Ansatz führte anfänglich zu relativ guten Ergebnissen. Es zeigte sich jedoch, dass die Plexiglaslinsen in der Vorderkammer auf die Dauer zu mechanischen Schädigungen insbesondere der Hornhaut führten. Zwanzig Jahre später wurde dieses Konzept wieder aufgenommen, nun allerdings wurden die Plexiglaslinsen im Auge so fest angebracht, dass sie keine Schäden verursachen konnten.
Seit Mitte der 1980er Jahre geht man bei der Operation des grauen Stars folgendermaßen vor: Das Auge wird am Rande der Hornhaut eröffnet. Es wird nicht die gesamte Linse entfernt. Die Linsenkapsel wird vielmehr an der Vorderseite der Linse kreisförmig eröffnet. Durch diese Öffnung wird das getrübte Linsenmaterial entfernt, der Rest der Linsenkapsel wird jedoch am Ort belassen. Nachdem die Linsenkapsel sorgfältig gesäubert wurde, bringt man in den Kapselsack eine Plastiklinse ein, also an der Stelle, wo sich vor der Operation die normale Linse befand. Diese Plastiklinse hat lange, dehnbare, weiche Ärmchen, Haptik genannt, die den Kapselsack ausspannen. So hat die Plexiglaslinse keinerlei weitere Berührung mit den restlichen, sehr empfindlichen Strukturen des inneren Auges.
Damit die Bilder auf der Netzhaut scharf sind, muss die Plexiglaslinse eine vorher bestimmte Stärke haben. Diese Stärke der Linse lässt sich aus der Länge des Auges berechnen. Deshalb bestimmt man vor der Operation mit Ultraschallmessungen die Länge des Auges und sucht die für das Auge geeignete Linse aus, die später bei der Operation eingesetzt wird. Nach der Operation wird das Auge wieder verschlossen. Das kann mit sehr feinen Nähten geschehen. Bei geschickter Schnittführung kann das Nähen auch unterbleiben.
Eine solche Operation dauert zwischen fünfzehn und dreißig Minuten, und der anschließende Krankenhausaufenthalt beträgt nur noch einen bis wenige Tage. Vielerorts wird diese Operation bereits ambulant durchgeführt, das heißt, der Patient kann bereits am selben Tag schon wieder nach Hause gehen. Der Operationserfolg muss jedoch während der nächsten Tage weiterhin kontrolliert werden. Oft gelingt die Anpassung der Plexiglaslinse nicht ganz genau, so dass in der Folgezeit zusätzlich noch eine schwache Brille verschrieben werden muss, die es dem Patienten ermöglicht, sein volles Sehvermögen auszuschöpfen. Komplikationen treten bei dieser Operationsform in weniger als 1 Prozent der Fälle auf. Damit handelt es sich bei der Operation des grauen Stars um eine der sichersten Operationen in der Medizin überhaupt.
Weltweit werden Hunderttausende von Operationen des grauen Stars pro Jahr durchgeführt. Vergleicht man die Ergebnisse der modernen Katarakt-Operation mit dem oft langen und komplikationsbehafteten Leidensweg des am grauen Star erkrankten Patienten der Vergangenheit, so stellt man fest, dass die moderne Augenheilkunde in der Lage ist, das Wohlbefinden, aber auch die Lebensfreude des erkrankten Menschen nach der Operation erheblich zu steigern. Dies gilt insbesondere deswegen, weil gerade der ältere Mensch am grauen Star erkrankt und sich dadurch von seiner Umwelt weiter isoliert fühlt.
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